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Zukunfts-Dialog Oekolandbau

zum Thema: Was nutzt mir Biodiversität? Praxistaugliche Konzepte für den Ökolandbau

17. bis 18. Mai 2017

http://zukunftsdialogoekolandbau.julius-kuehn.de/

 

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2. Europäische Tagung zu Kupfer als Pflanzenschutzmittel vom 16.-17.11.2017 im Julius-Kühn-Institut Berlin Dahlem, European Copper Conference

 

 

Ökowein aus dem JKI

Das JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen bietet Ihnen Weine aus Ökologischen Landbau zum Kauf an. Die Weinpreisliste können Sie hier lesen und herunterladen. Mehr Informationen zu den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten Regent und Calandro finden Sie hier.

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6. Fachgespräch: "Abwehr von Wühlmausschäden im ökologischen Landbau"

 

 

Die Abwehr von Wühlmausschäden stellt ein nur unzureichend gelöstes Problem im ökologischen Landbau dar. Besonders im ökologischen Obstbau, im naturnahen Waldbau sowie in der Grünlandwirtschaft verursachen die Nager vor allem im Winter große Schäden und verhindern eine breite Umsetzung vieler positiver Ansätze zur Förderung der biologischen Vielfalt und der Nützlingsfauna. Nach Ansicht von Fachleuten gehören die Wühlmausprobleme von ihrer Bedeutung her zum oberen Viertel aller Pflanzenschutzprobleme des Ökolandbaus. Einem Vorschlag der AGÖL folgend (Konzept „Pflanzenschutz im ökologischen Landbau – Probleme und Ansätze zu deren Lösung“ vom März 2000) konstituierte sich am 17. Januar 2001 auf Einladung des Instituts für Nematologie und Wirbeltierkunde der BBA in Münster ein Arbeitskreis mit dem Ziel, Konzepte zur Abwehr von Wühlmausschäden im ökologischen Landbau zu entwickeln Auf Initiative dieses Arbeitskreises fand am 26. Juni in Braunschweig im Rahmen der Gesprächsreihe "Pflanzenschutz im ökologischen Landbau - Probleme und Lösungsansätze" ein Fachgespräch „Abwehr von Wühlmausschäden im ökologischen Landbau“ statt.

Im Rahmen der Tagung wurden Ansätze zur Entwicklung von für den ökologischen Landbau geeigneten Methoden und Verfahren zur Abwehr von Wühlmausschäden gesichtet und ihre Eignung für die Praxis diskutiert. Neben Ökobauern und Vertretern aus Verbänden, Forschungsinstitutionen und Industrie aus Deutschland konnte der Präsident der Biologischen Bundesanstalt, Prof. Dr. Fred Klingauf auch Teilnehmer aus der Schweiz und aus Österreich begrüßen, deren Anwesenheit die überragende Bedeutung des zu behandelnden Problems deutlich machte.

Die konkreten Probleme wurden durch Barbara Kopp vom Beratungsdienst ökologischer Obstbau, Kressbronn und Cornel Stutz von der Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau, Zürich (für die Milchwirtschaft) dargestellt. In Obstanlagen wurden trotz aufwändiger Bekämpfungsmaßnahmen (meist Fallenfang, selten Begasung) bis zu 80% der Bäume in einer Anlage während eines Winters geschädigt. Bereits der Ausfall von 10 Bäumen pro Hektar und Jahr ist jedoch wirtschaftlich schwer verkraftbar. Um den Wühlmausschäden vorzubeugen werden die Baumstreifen auch nach der Ernte offengehalten, die Einsaat von Kräutermischungen in die Fahrgassen unterbleibt und die Fahrgassenbegrünung wird ständig kurzgehalten. All dies sind Maßnahmen, die einer Bewirtschaftung der Anlagen unter ökologischen Gesichtspunkten (Nützlingsförderung durch Blütenstreifen, Verhinderung der Bodenerosion/-auswaschung) zuwiderlaufen. Zudem ist das ständige Sauberhalten der Baumstreifen durch mechanische Bearbeitung sehr kostenintensiv. In der schweizer Milchwirtschaft führen wühlmausbedingte Ertragsausfälle, erhöhter Maschinenverschleiß, Futterqualitätsminderungen, Futterverluste, Leistungsminderungen der Milchkühe sowie Aufwendungen zur Wiederherstellung geschädigter Flächen zu Kosten von über SFr. 1'000.- pro Hektar je nach Bewirtschaftung. Vor allem Heumatten sind betroffen, während Dauerweiden weniger geschädigt werden.

Von den geladenen Fachreferenten wurden die folgenden Ansätze zur Problemlösung vorgetragen:

  • a) Einsatz von Migrationsbarrieren bzw. semipermeablen Zaunsystemen zur Verringerung der Populationsdichte der Nager innerhalb der Kulturflächen und Verhinderung der Zuwanderung von außerhalb (Dr. Francis Saucy, EcoRodControl, Vuippens, Schweiz; Dr. Hartmut Wieland, Nauen)
  • b) Erschließung und Nutzung des großen Potenzials sekundärer Pflanzenstoffe zur Abwehr von Wühlmausfraßschäden. Fast 300000 Pflanzenarten bieten ein großes Potential an sekundären Pflanzenstoffen, die auf ihre Eignung als Wühmausabwehrmittel untersucht werden sollten. Zwar sind Pflanzenfresser an viele Stoffe angepasst, es sind jedoch etliche Stoffe bekannt, die auch gegen angepasste Nager wirken. Industriefirmen sind an der Erforschung der Eigenschaften dieser Stoffe kaum interessiert, weil sie sich nicht patentieren lassen (Prof. Dr. Michael Wink, Institut für Pharmazeutische Biologie, Universität Heidelberg). An der Technischen Universität Dresden, Fachrichtung Forstwissenschaft konnten bereits erste Erfolge mit Echinopsinextrakt aus der großen Kugeldistel als Repellentmittel zum Schutz von Einzelpflanzen vor Wühlmausfraß erzielt werden (Prof. Dr. Michael Müller).
  • c) Schaffung von Unterschlupfmöglichkeiten zur Ansiedlung von Beutegreifern (Wiesel, Greifvögel) und zur Förderung ihrer Vermehrung. Die natürlichen Feinde können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Populationsdichte der Wühlmäuse gering zu halten (Robert Sommer, Universität Rostock, Institut für Biodiversitätsforschung).
  • d) Erforschung der ernährungsphysiologischen Zusammenhänge, die zum Rinden- und Wurzelfraß bei Wühlmäusen führen. Bisher ist wenig bekannt über die Gründe, die Wühlmäuse in den Wintermonaten veranlassen, Gehölzpflanzen intensiv zu benagen. Einem Mangel an bestimmten Nährstoffen könnte gegebenenfalls durch eine Ablenkungsfütterung begegnet werden, um die Kulturpflanzen zu schützen (Dr. Hans-Joachim Pelz, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Institut für Nematologie und Wirbeltierkunde, Münster).
  • e) Nutzung von physikalischen Detektionssystemen zur Früherkennung von Wühlmausbefall. Wärmebildkameras können zur Erkennung von Wühlmausbefall eingesetzt werden. Bei den einzelnen Kolonien kann man die oberen Laufgänge der Bauten durch Wärmeabstrahlung erkennen. Am besten eignen sich die Kameras zur Beobachtung der Migration von Wühlmauskolonien und deren Wiederzuwanderung in bestehende Bauten (Rafael Gago, Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues, Zürich). Mittels eines am Stamm angebrachten Körperschalldetektors ist es möglich, beginnenden Schadfraß an Gehölzpflanzen spezifisch zu lokalisieren und gezielte und frühzeitige Abwehrmaßnahmen einzuleiten (Dr. Hans-Joachim Pelz, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Institut für Nematologie und Wirbeltierkunde, Münster).
  • f) Verbesserung der Fallenfang- und der Begasungstechnik. In den letzten Jahren sind insbesondere bei der Fallenfangtechnik Fortschritte erzielt worden. Weitere Verbesserungen erscheinen möglich, um die Verfahren noch effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. (Jean Malevez, Topcat GmbH, Wintersingen, Schweiz; Gabriel Popow, Landwirtschaftsschule Strickhof, Lindau, Schweiz)

 

Aus Sicht der Industrie wurden der erhebliche Aufwand und die Kosten dargestellt, die einem stärkeren Engagement von Industriefirmen bei der Neuentwicklung von Präparaten zur Wühlmausbekämpfung entgegenstehen. Kleinere Firmen wären an einer Beteiligung im Rahmen eines Forschungsprojektes jedoch grundsätzlich interessiert (Dr. Gerhard Jakob, DETIA DEGESCH GmbH, Laudenbach). Einen breiten Raum in der Diskussion nahm die von Karl-Heinz Berendes und Dr. Gerd Joermann, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Abt. für Pflanzenschutzmittel und Anwendungstechnik, Fachgruppe Biologische Mittelprüfung, Braunschweig vorgestellte Zulassungssituation bei chemischen Mitteln zur Bekämpfung von Feldnagern ein. Insbesondere das langwierige und komplizierte Verfahren bei der Listung von Stoffen und Zubereitungen zur Erzeugung von Produkten aus ökologischem Anbau über die Europäische Gemeinschaft wurde in diesem Zusammenhang kritisiert. Ausblick Das Fachgespräch hat Ansätze zur Lösung der Wühlmausprobleme aufgezeigt, die als Grundlage für die Planung und Förderung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Verbesserung der Situation im ökologischen Landbau herangezogen werden können. Die aufgeführten Ansätze werden als Einzelmaßnahme voraussichtlich nicht ausreichend wirksam sein. Eine erfolgversprechende Problemlösung wird erst mit einem komplexen Lösungsansatz, der mehrere der aufgeführten Maßnahmen integriert, zu erreichen sein. Da die Wühlmausbekämpfung auch im konventionellen und integrierten Anbau in Zukunft verstärkt auf alternative Bekämpfungsmaßnahmen zurückgreifen muss, würden für den Ökolandbau entwickelte Maßnahmen auch in den anderen Wirtschaftsweisen an Bedeutung gewinnen.

 

Die Zusammenfassung des Fachgespräches erfolgte in:

 

104 / 2002 : Pelz, H.-J. (Bearb.)
Pflanzenschutz im ökologischen Landbau – Probleme und Lösungsansätze.
Sechstes Fachgespräch am 26. Juni 2001 in Braunschweig. Abwehr von Wühlmausschäden im ökologischen Landbau, 109 S.



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