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Zukunfts-Dialog Oekolandbau

zum Thema: Was nutzt mir Biodiversität? Praxistaugliche Konzepte für den Ökolandbau

17. bis 18. Mai 2017

http://zukunftsdialogoekolandbau.julius-kuehn.de/

 

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2. Europäische Tagung zu Kupfer als Pflanzenschutzmittel vom 16.-17.11.2017 im Julius-Kühn-Institut Berlin Dahlem, European Copper Conference

 

 

Ökowein aus dem JKI

Das JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen bietet Ihnen Weine aus Ökologischen Landbau zum Kauf an. Die Weinpreisliste können Sie hier lesen und herunterladen. Mehr Informationen zu den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten Regent und Calandro finden Sie hier.

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5. Fachgespräch  "Hinreichende Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln im ökologischen Landbau Saat- und Pflanzgut für den ökologischen Landbau"

 

von Dr. Erdmann Bode
Die Entwicklung des Standes von Wissenschaft und Technik hat zur Folge, dass der seit Einführung der Zulassungspflichtigkeit für Pflanzenschutzmittel in Deutschland gesetzlich geforderte Nachweis der Zulassungsvoraussetzungen im Laufe der Zeit nur mit zunehmend höherem Aufwand für die Erarbeitung von Daten und Informationen erbracht werden kann. Bestehende Zulassungen zu erhalten wird folglich teurer, bisweilen aus wirtschaftlichen Überlegungen der Firmen zu teuer. In nicht wenigen Fällen verschwinden Mittel vom Markt, weil ihre Eigenschaften den modernen Anforderungen an Wirksamkeit und Unbedenklichkeit gegenüber Mensch, Tier und Naturhaushalt nicht genügen. Die Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln mit neuen Wirkstoffen wird aufwendiger. Deshalb, aber sicher auch aus firmenpolitischen Erwägungen heraus, beobachtet man seit einiger Zeit eine zunehmende Beschränkung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf wirtschaftlich für die Zulassungsinhaber lukrative Anwendungsgebiete. Bekämpfungslücken entstehen, wobei die durch das Pflanzenschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Mai 1998 (BGBl. I S. 971, 1527, 3512) bedingte Ergänzung der früheren Vertriebszulassung um die "Indikationszulassung" (Anwendung eines Mittels nur in den bei der Zulassung festgesetzten Anwendungsgebieten) eine weitere Verschärfung bewirkt. Diese für die "konventionelle" Landwirtschaft bedenkliche Entwicklung wirkt sich ungleich stärker aus, wenn beispielsweise durch verbandsspezifische Regelungen für "integriert" wirtschaftende Betriebe oder Betriebe des "Ökologischen Landbaus" zugelassene, d. h. den gesetzlichen Anforderungen genügende Pflanzenschutzmittel aus der Anwendung verbannt werden.
Es ist sicher eine wichtige Erkenntnis, die am Beginn des Fachgespräches herausgestellt wurde, dass entgegen der landläufigen Ansicht auch der "Ökologische Landbau" nicht ohne Pflanzenschutz und Pflanzenschutzmittel auskommt. Durch die "Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates vom 24. Juni 1991 über den Ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel" (zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 14783/2000 der Kommission vom 30. Juni 2000 zur Änderung des Anhangs VI Teil C der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates über den Ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel) werden in Anhang II B für den Pflanzenschutz in der Regel solche Stoffe als zulässig erklärt, die außerhalb des "Ökologischen Landbaus" keine oder nur eine relativ geringe Bedeutung haben. Die Erklärung der "Zulässigkeit" der Anwendung in der genannten "Öko-Verordnung" ersetzt jedoch nicht die Zulassung als Pflanzenschutzmittel nach den Anforderungen des Pflanzenschutzgesetzes. Angesichts der hohen, zum Nachweis der Zulassungsvoraussetzungen aufzuwendenden Kosten wird ein Pflanzenschutzmittelhersteller sein Augenmerk primär auf den Erhalt bestehender Zulassungen richten, die einen angemessenen Rückfluss der Investitionen durch Anwendungen auch außerhalb des "Ökologischen Landbaus" versprechen, z. B. durch Einsatz im Haus- und Kleingartenbereich oder in der "konventionellen" Landwirtschaft. Entsprechendes gilt bei Entscheidungen zur Neuentwicklung von Produkten, so dass zulassungspflichtige Mittel für die ausschließliche Verwendung im "Ökologischen Landbau" allenfalls in Ausnahmefällen Chancen haben werden. Hieraus erklärt sich, warum ein hohes Interesse seitens der Industrie und der "Ökologischen" Landwirtschaft daran bestehen muss, Wirkstoffe wie Pyrethrum und Azadirachtin für die Bekämpfung tierischer Schadorganismen zu erhalten, damit den Anbau zahlreicher Kulturpflanzen unter wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen weiterhin betreiben zu können und die Existenz der Betriebe zu sichern.

Es war die Absicht der Veranstalter dieses Fachgespräches, ein Forum zum Gedankenaustausch über die gegenwärtige und zukünftige Notwendigkeit dieser beiden Wirkstoffe und die mit ihrem Einsatz verbundenen Probleme aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Anwender, Mittelhersteller und der an der Zulassung beteiligten Behörden heraus zu bieten und darüber hinaus möglichst Lösungen für bestehende Problemfelder zu erarbeiten. Unter diesem Blickpunkt sollen einige wichtige Kernaussagen hervorgehoben werden:

Azadirachtin und Pyrethrum sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihres Wirkungsspektrums keinesfalls als austauschbar zu betrachten. Jeder Wirkstoff hat spezifische Vorteile. Wenn die gleichen Zielorganismen durch beide Wirkstoffe gleichermaßen gut bekämpft werden können, rechtfertigt die Notwendigkeit eines Resistenzmanagements ihre Verfügbarkeit.

Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit Pyrethrum und Azadirachtin decken nicht alle in der Praxis erforderlichen Anwendungen ab. Durch die vom Gesetzgeber im geltenden Pflanzenschutzgesetz eröffnete Möglichkeit einer Genehmigung von zusätzlichen, bei der Zulassung nicht festgesetzten Anwendungsgebieten (§§ 18, 18 a Pflanzenschutzgesetz - PflSchG) bestehen gerade auch für den "Ökologischen Landbau" gute Möglichkeiten, Pflanzenschutzprobleme zu lösen. In diesem Zusammenhang ist eine intensive Beteiligung der Verbände wichtig und hilfreich.

Auch Naturstoffe können Auswirkungen haben, die über eine negative Bewertung in einem wichtigen Prüfbereich (z. B. in Toxikologie oder Ökotoxikologie) eine Zulassungsentscheidung beeinflussen. Bei ernsten Schwierigkeiten könnte für eine im Einzelfall erforderliche Vertretbarkeitsabwägung die Definition von unverzichtbaren Anwendungen und die Betrachtung der Anwendung im Einzelfall (z. B. kleinräumige Anwendung, Randbehandlung, Technik) hilfreich sein. Diese Überlegungen sind speziell für den "Ökologischen Landbau" wichtig, weil es eher unwahrscheilch ist, dass schnell alternative Wirkstoffe entwickelt und in zugelassenen Mitteln zur Verfügung gestellt werden. Der Erhalt bestehender Zulassung ist von vorrangiger Bedeutung. Die Existenz des "Ökologischen Landbaues" hängt auch an der Verfügbarkeit von Pyrethrum und Azadirachtin.

Die Entwicklungskosten für ein Pflanzenschutzmittel und die für den Nachweis der Zulassungsvoraussetzungen nach dem Stand von Wissenschaft und Technik vorzulegenden Unterlagen bedingen, dass außerhalb der Anwendung im "Ökologischen Landbau" weitere, finanziell besonders attraktive Anwendungen (z. B. im Haus- und Kleingartenbereich) möglich sind. Dieses wurde besonders für Pyrethrum herausgestellt, weil hier wegen der teilweise veralteten Datenbasis erhöhte Aufwendungen zur Erarbeitung heutigen Ansprüchen genügender Daten und Informationen erforderlich sind.

Im Hinblick auf die Übereinstimmung der Eigenschaften des Prüfmittels mit dem Handelspräparat beispielsweise bezüglich Wirksamkeit, Wirkungssicherheit und Auswirkungen ist bei dem Zulassungsinhaber und Hersteller ein hohes Maß an Kenntnissen zur Qualitätssicherung erforderlich.

Eine frühzeitige Kontaktaufnahme und Abstimmung mit der Zulassungsbehörde wird dringend empfohlen, weil so eine an den Eigenschaften des Mittels bzw. Wirkstoffes ausgerichtete Festlegung der zu erarbeitenden Unterlagen möglich wird. Weisen Prüfungen und Bewertungen beispielsweise im Prüfbereich "Naturhaushalt" auf unvertretbare Auswirkungen hin, können die für eine die Zulassungsfähigkeit eines Mittels entscheidend wichtigen geeigneten Risikominimierungsmaßnahmen besprochen werden.


Ausblick
Azadirachtin und Pyrethrum sind in zulassungsfähigen Pflanzenschutzmitteln einsetzbar.
Bekämpfungslücken zu identifizieren und hierbei insbesondere Lösungen zur Lückenindikationsproblematik zu finden, ist auch für den "Ökologischen Landbau" wichtig. Eine Arbeitsgruppe ist bereits tätig; eine erhöhte Aktivität der Verbände sollte erreicht werden.
Die gegenwärtige Datenbasis für Pyrethrum ist in Teilen veraltet (Naturhaushalt); die Entscheidung zur hinreichenden Wirksamkeit in manchen Anwendungen ist problematisch. Es wird empfohlen, im Hinblick auf die Formulierung der Anwendungsgebiete und zwecks Festlegung geeigneter Risikominimierungsmaßnahmen Kontakt zur Zulassungsbehörde aufzunehmen.
Im Hinblick auf eine Verbesserung der Wirksamkeit und eine Verminderung der Auswirkungen (Naturhaushalt) pyrethrumhaltiger Mittel wird mittelfristig eine adäquate Formulierungsänderung (z. B. Austausch des Synergisten Piperonylbutoxid) dringend empfohlen. Dieser Austausch liegt auch im Sinne des "Ökologischen Landbaus".
Speziell für Pyrethrum sind im Zusammenhang mit den erforderlichen Risikominimierungsmaßnahmen die Anwendungsbedingungen der Mittel zu präzisieren.
Im Rahmen von Risikominimierungsmaßnahmen ist eine verbesserte Kenntnis zur Selektivität beider Wirkstoffe bezüglich der Nichtzielorganismen hilfreich. In diesem Zusammenhang ist das Erreichen einer Selektivität über den Mittelaufwand, aber auch aufgrund des jeweiligen Wirkmechanismus zu betrachten.
Aus toxikologischer Sicht bestehen bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung pyrethrumhaltiger Pflanzenschutzmittel keine Bedenken. Bezüglich Azadirachtin (bezogen auf den Extrakt von NeemAzal-T/S) kann man aufgrund der Datenlage davon ausgehen, dass keine negativen Effekte zu erwarten sind. Diese Bewertung lässt sich jedoch nicht auf andere Produkte übertragen (z. B. selbst hergestellte Produkte aus Samen des Niembaumes).
Eine Ausweitung der Zulassung von NeemAzal-T/S (Azadirachtin) in rückstandsrelevante Anwendungen ist an die Vorlage von Metabolismusstudien geknüpft. Hierzu (speziell zur Machbarkeit) werden Folgegespräche zwischen Zulassungsinhaber und Zulassungsbehörde empfohlen.

 

Die Zusammenfassung des Fachgespräches erfolgte in:

 

95 / 2002 : Kühne, S.; Friedrich, B. (Bearb.)
Pflanzenschutz im ökologischen Landbau. Probleme und Lösungsansätze Fünftes Fachgespräch am 28. Juli 2001 in Kleinmachnow




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