Suche

Suche
.

Schwefel, Netzschwefel, Kaliumsulfid, Kalksulfat

 

zusammengestellt und bearbeitet von:

Dr. habil. Stefan Kühne, Britta Friedrich, Dipl. Biol. Rüdiger Spangenberg - Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz, Kleinmachnow

 

 

Synonyme:

Schwefel: Sulfur
Kaliumsulfid: Schwefelleber, Hepar sulfuris, Kalium sulfuratum pro balneo
Kalksulfat: Kalziumpolysulfid, Kalkschwefelleber

Herkunft:

Schwefel ist ein chemisches Element, das in verschiedenen Formen, unter anderem in vulkanischem Gestein, in der Steinkohle, in Schwefelwasserstoff oder auch in tierischem und pflanzlichem Eiweiß, vorhanden ist. Reiner Schwefel wird gewonnen durch das Ausschmelzen und die anschließende Destillation schwefelhaltiger Gesteine und Erze. In Blöcke gegossen kommt der Schwefel als Stangenschwefel in den Handel, in Pulverform als sogenannte Schwefelblume.
Netzschwefel entsteht durch Erhitzen reinen Schwefels und anschließendem Auskristallisieren in kaltem Wasser.
Schwefelleber besteht aus Kaliumcarbonat (Pottasche) und Schwefel, die zusammengeschmolzen werden. In der Schwefelleber ist der Anteil reinen Schwefels geringer als im Netzschwefel.

Anwendung entsprechend:

EG-Verordnung 889/2008

Liste nach § 6a Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Buchstabe b des Pflanzenschutzgesetzes zur Selbstherstellung von Pflanzenschutzmitteln (nur Schwefelkalk)

Verwendung:

Reiner Schwefel wird unter anderem zur Herstellung von Schwefelsäure, Schießpulver, Streichhölzern und Feuerwerkskörpern benutzt. Zum "Schwefeln", d.h. zum Abtöten von Bakterien und Schimmelpilzen, wird dieser vielseitige Stoff auch beim Reinigen der Weinfässer oder bei der Konservierung von Nahrungsmitteln (z.B. Trockenfrüchte) eingesetzt.
Im Pflanzenschutz wird der Schwefel in Form von Netzschwefel benutzt.
Das ist ein sehr fein vermahlenes Pulver mit Netzmittelzusatz, das sich besonders gut in Wasser lösen (benetzen) läßt. Spritzungen mit Netzschwefel wirken gegen Schorf und insbesondere gegen Echten Mehltau. Bei Falschem Mehltau und Schimmelpilz (Botrytis) helfen sie kaum (KREUTER 1990).
Früher verwendete man Schwefelleber auch für medizinische Schwefelbäder.
Fungizid: gegen Mehltau und Schorf, im Handel als Brocken erhältlich, sehr geruchsintensiv
Kalksulfat wird im Pflanzenschutz als Fungizid, Insektizid und Akarizid
angewendet. Kann entsprechend der Liste nach § 6a des deutschen
Pflanzenschutzgesetzes zur Herstellung im eigenen Betrieb verwendet
werden.

Fungizide Wirkung

Schwefelpartikel, die sich auf der Blattoberfläche der Pflanze ablagern, bilden durch die Einwirkung von Feuchtigkeit, Licht und Sauerstoff Schwefeldioxid. Diese Verbindung wirkt auch wenn sie nur sehr schwach auftritt giftig auf Pilze und Insekten. Schwefelteilchen, die in die Pilzorganismen eindringen, töten diese von innen ab. (KREUTER 1990)
Die Wirkung ist bis 16°C schwächer als bei Kupfer, unterhalb von 10°C ist Schwefel kaum mehr wirksam. Bewährt hat sich die Anwendung von Netzschwefel, kombiniert mit pflanzlich-mineralischen Pflanzenstärkungsmitteln.
Vorsicht! Beim Obst besteht Berostungsgefahr. Vorsicht bei Temperaturen über 28°C. Bei stärkeren Niederschlägen (über 25 mm) muß der Schutzbelag erneuert werden. Vollblütenspritzung im Obstbau 0,5%, nach der Blüte maximal 0,3% (nützlingsschonende Konzentration).(SCHMID & HENGGELER 1989)
Schwefelleber wirkt gegen Echten Mehltau, Schorf und die Schrotschußkrankheit (KREUTER 1990)

Zubereitungen

nach KREUTER (1990): Schwefelleber-Lösung: 20-40 g Schwefelleber werden in 10 Liter Wasser aufgelöst und dann unverdünnt ausgespritzt. Das Mittel wirkt vor allem bei Pilzinfektionen an Obstgehölzen und sollte schon ab März angewendet werden. Danach muß noch mehrmals gespritzt werden, am besten je einmal im April, Mai und Juni.
SCHMID & HENGGELER (1989) empfehlen ebenfalls 20-40 g in 10 l Wasser, wenn allerdings Seife als Haftmittel beigegeben wird, sollten nur 20 g Schwefelleber in 10 l Wasser verwendet werden. Achtung! Nicht bei praller Sonne spritzen.

Wirkung auf Nützlinge

Netzschwefel-Spritzungen sind ungefährlich für Bienen; die Brühe kann also auch in die Blüte gespritzt werden. Geschädigt werden aber Marienkäfer sowie nützliche Raubwanzen und Raubmilben (allerdings nur bei hohen Konzentrationen über 20 g/10 l Wasser)(SCHMID & HENGGELER 1989).
MOHR et al. (1994) konnten negative Auswirkungen schwefelhaltiger Pflanzenstärkungsmittel auf die Raubmilbe Typhlodromus pyri nachweisen. Der Einsatz der Wirkstoffkombination Netzschwefel/Wasserglas (je 0,5%) in einem Freilandversuch im Weinbau führte zu einer unerwünschten Reduktion des Raubmilbenbesatzes (HOLZER et al. 1994).
KOPF et al. (1993) stellten fest, daß eine geringere Raubmilbenreduktion bei ausschließlicher Behandlung mit Netzschwefel vorliegt, während die Kombination mit Wasserglas die stärkste Reduktion hervorruft. Die Kombination von Kupfer und Netzschwefel hat bei früher und häufiger Anwendung eine deutlich schädigende Wirkung auf Raubmilben (BAUM et al. 1992). Der Einsatz von Netzschwefel beeinträchtigt auch die räuberische Gallmücke Aphidoletes (HÄSELI & GRAF 1992). WETZEL & DICKLER (1992) testeten den Einfluß eines Schwefelpräparates auf Trichogramma-Wespen und deren Parasitierungsleistung an der Getreidemotte. Diese ging nach Behandlung um 16% zurück.
Im PFLANZENSCHUTZMITTELVERZEICHNIS 1998 gibt es 16 zugelassene Schwefelpräparate mit folgenden Hinweisen für Nützlinge:

schwach- oder nichtschädigend für die Raubmilbe T. pyri

schädigend für die Erzwespe Trichogramma cacoeciae

schädigend für die Schlupfwespe Coccigomimus turionellae

nichtbienengefährlich

nichtschädigend für die Raubmilben Amblyseius potentillae u. A. finlandicus

nichtschädigend für C. septempunctata (Marienkäfer)

nichtschädigend für Chrysoperla carnea (Florfliege)


Schwefelleber: Raubwanzen und Raubmilben werden geschädigt.

Wirkung auf Wasserorganismen

lt. PFLANZENSCHUTZMITTELVERZEICHNIS 1998: Schwefel

giftig für Fischnährtiere

Mittel u. dessen Reste sowie entleerte Behälter und Packungen nicht in Gewässer gelangen lassen

1 Präparat in Verbindung mit Kupferoxychlorid ist außerdem giftig für Algen und Fische (Urania)


Löslichkeit: praktisch unlöslich in Wasser
Toxizität von Schwefel
Die biologische Wirkung beruht auf der (geringen) Bildung von Schwefelwasserdstoff (H2S) und Schwefeldioxid (SO2)
Fische 1):
96-h LC50 = > 180 - > 1000 mg/l
24-h EC50 = 0,35 mg/l
Daphnien 1):
48-h EC50 = 5000 mg/l
Algen 1):
96-h EC50 = 12 mg/l
Toxizität von H2S
abhängig von: pH-Wert, Wassertemperatur, O2-Konzentration
Dissoziationsgleichgewicht H2S <—> HS- + H+ bei geringem pH-Wert zum toxischen H2S verlagert.
Fische 2):
Carassius auratus: 96-h LC50 = 0,0034 mg/l
Oncorhynchus mykiss: 96-h LC50 = 0,0136 mg/l
Salvelinus fontinalis: 96-h LC50 = 0,017 mg/l
Carassius auratus: chron. NOEC = 0,0102 mg/l
Pimephales promelas: chron. NOEC = 0,00034 mg/l
Wirbellose 3):
Gammarus spec.: LC50 = 0,059 mg/l
Hexagenia spec.: LC50 = 0,111 mg/l
Ephemera spec.: LC50 = 0,316 mg/l
Asellus spec.: LC50 = 1,07 mg/l

 

1): JKI-Datenbank und US-EPA Angaben
2): aus MEINELT et al. (1999)
3): nach OSEID & SMITH (1974)


Literatur:

  1. BAUM, S., KAST, W., GROßMANN, F. (1992): Untersuchungen zum Einsatz und zur Wirkungsweise einiger ausgewählter alternativer Präparate im Weinbau. 5. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 19. und 20.11.1992, Weinsberg, 133 S.
  2. HÄSELI, A., GRAF, B. (1992): Nebenwirkungen einiger Apfelschorf-Fungizide im Obstbau. 5. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 19. und 20.11.1992, Weinsberg, 133 S.
  3. HOLZER, U., KÜHRER, E., BLÜMEL, S. (1994): Freilandversuche zur Wirkung verschiedener biologischer Pflanzenschutzmittel auf Uncinula necator (Oidium) und die Raubmilbenfauna im Weinbau. Obst, Wein, Garten (Austria); 63(8), S. 11-13
  4. 1. KOPF, A., KAST, W.K., ZEBITZ, C. (1993): Die Bekämpfung des Echten Mehltaus der Rebe mit Wasserglas und dessen Nebenwirkungen auf Raub- und Spinnmilben. 6. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 18. und 19.11.1993, Weinsberg, 197 S.
  5. KREUTER, M.-L. (1990): Pflanzenschutz im Bio-Garten. BLV, München Wien Zürich, 249 S.
  6. MEINELT, T. STÜBER, A., ZWIRNMANN, E. & Steinberg, C. (1999): Fischtoxizität von Schwefelwasserstoff und Sulfiden. Fischer und Teichwirt, 6, 219 – 221.
  7. MOHR, H.D., LOOSEN, R., ENGLERT, W.D. (1994): Auswirkungen "ökologischer" und "konventioneller" Spritzfolgen auf Raubmilben (T. pyri) und Spinnmilben (P. ulmi) im Weinbau. Nachrichtenblatt Deut. Pflanzenschutzd., 46(3), S. 52-60
  8. OSEID, D. & SMITH, L. L. (1974): Factor influencing acute toxicity estimates of hydrogen sulfide to freshwater invertebrates. Trans. Amer. Fisheries Soc. 101, 4, 620 – 625.
  9. PFLANZENSCHUTZMITTELVERZEICHNIS (1998): Alle Pflanzenschutzmittel auf CD-ROM, Stand 11.03.1998, Saphir Verlag, Ribbesbüttel
  10. SCHMID, O., HENGGELER, S. (1989): Biologischer Pflanzenschutz im Garten. Stuttgart: Ulmer, 270 S.
  11. US-EPA (1985): Reregistration standard for sulfur. EPA Form 1550-9 (5-81)
  12. WETZEL, C., DICKLER, E. (1992): The effects of NAB and Spruzit on Trichogramma dendrolimi (Hym., Trichogrammatidae) tested in field trials. 5. Internationaler Erfahrungsaustausch über Forschungsergebnisse zum Ökologischen Obstbau, 19. und 20.11.1992, Weinsberg, 133 S.


.